Geschichte

Die erste Republik

Am 12. November 1918, einen Tag nach dem Tod Victor Adlers, beschloß die provisorische Nationalversammlung im Parlament die Proklamation der Republik. Durch den Zusammenbruch der alten Ordnung waren die Konservativen stark geschwächt. Die Sozialdemokratie war die dominierende Kraft in der neuen Koalitionsregierung. Karl Renner wurde erster Staatskanzler, Karl Seitz das erste Staatsoberhaupt der jungen Republik.

Heute für uns selbstverständliche Forderungen konnten damals durchgesetzt werden: das Wahlrecht für Frauen, allgemeines und gleiches Wahlrecht für Landtage und Gemeinden, mehr Arbeitermitbestimmung durch die Einrichtung der Arbeiterkammern und durch das Betriebsrätegesetz, und vor allem die für die damalige Zeit revolutionäre, nach dem Sozialminister Ferdinand Hanusch benannte, Sozialgesetzgebung (z. B. Achtstundentag, Pensionsregelungen, Witwen- und Waisenversorgung, Arbeitslosenversicherung, Arbeiterurlaub, Verbot der Nachtarbeit für Jugendliche und Frauen, Ausweitung der Krankenversicherung).

Bei den Nationalratswahlen im Februar 1919 wurde die Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SDAP) stärkste Fraktion. Im Wahlkreis Margareten-Favoriten-Simmering fielen von sieben zu vergebenden Mandaten sechs an die SDAP. Friedrich Adler und Anton Hölzl vertraten Favoriten im Nationalrat.

Die Nachkriegszeit stellte die Behörden und neugewählten Politiker vor schwerwiegende Probleme. Die politische Lage war instabil, die Kommunisten und die Rote Garde spekulierten mit der Errichtung einer Räterepublik nach russischem und ungarischem Vorbild.

In Wien hungerte man wie zu Kriegszeiten. In Favoriten waren von 23.600 Schulkindern 15.000 stark unterernährt. Im Mai 1919 lief die amerikanische Kinderausspeisung an, die rund 13.00 Kinder im 10. Bezirk versorgte. Hunderte Schüler wurden zu mehrwöchigen Erholungsurlauben ins Ausland, vor allem nach Holland, Dänemark und Italien geschickt.