Favoritens neue Arbeitsgruppe gegen Jugendgewalt

Nikola Poljak ist Bezirksrat und Jugendbeauftragter für Favoriten. Täglich ist er im Einsatz für die Interessen der Favoritner Jugend. Angesichts der vermehrten Vorfälle von Gewalt durch Jugendliche auf der Straße, hat er uns einige Fragen beantwortet.

In Favoriten steigt die Sorge wegen vermehrter Vorfälle von Überfällen und körperlicher Gewalt, die von Jugendlichen auf der Straße ausgeht. Welche Maßnahmen werden im Bezirk derzeit ergriffen, um dem entgegenzutreten?

Nikola Poljak: Mich haben in letzter Zeit vermehrt Beschwerden erreicht, daher mussten wir als Bezirk natürlich tätig werden. Für mich war es allerdings wichtig, die Jugendlichen nicht bloß zu bestrafen, sondern daran zu arbeiten, dass auch zukünftiger Gewalt effizient vorgebeugt wird, indem man sich mit ExpertInnen austauscht und an Lösungen arbeitet. Daher habe ich die „Task-Force Deviante Jugendgruppen“ ins Leben gerufen. Das erste Treffen hat auch bereits stattgefunden. Klar ist, dass es für die Lösung des Problems kein Patentrezept gibt, wie es sich die anderen Parteien gerne vorstellen, und auch das Schreien von Parolen oder Schlagwörtern wie „Bildung“, „Integration“ und „Sicherheit“ wird uns hier nicht weiterbringen.  Es handelt sich hier um einen Prozess, den wir gestartet haben, um zu probieren, was gut funktioniert und was nicht. Eines war nach dem ersten Treffen aber gleich klar: Wir brauchen in Favoriten wesentlich mehr Ressourcen von dieser Bundesregierung. Damit meine ich konkret: mehr LehrerInnen, SozialarbeiterInnen an Schulen und auch PolizistInnen, die sich auf neuen Wegen mit jungen Menschen beschäftigen, sodass diese in schwierigen Situationen auch als Ansprechpersonen für die Jugendlichen da sein können. Welcher Partei das Bildungsministerium und das Innenministerium unterstellt sind, das wissen wir ja alle, und dementsprechend wissen wir auch, dass es nicht in deren Interesse liegt, dass es den FavoritnerInnen gut geht.

Welche Personen bzw. Organisationen sind konkret Teil dieser Task-Force?

Nikola Poljak: Die Task-Force besteht aus all jenen, die täglich mit Jugendlichen arbeiten. In erster Linie ist das das Jugendamt, sowie Lehrkräfte, SchuldirektorInnen und SchulsozialarbeiterInnen. Darüber hinaus sind auch die Jugendzentren dabei, die in Favoriten für ein wichtiger Ort für die Freizeitgestaltung sind. Da besonders Oberlaa und die Per-Albin-Hansson Siedlung von den Vorfällen betroffen waren, sind auch die Grätzlpolizei und das Grätzl- Zentrum „Bassena 10“ bei der Task-Force dabei.

Wo liegt, deiner Meinung nach, der Ursprung dieser plötzlichen Gewaltbereitschaft?

Nikola Poljak: Es ist wichtig zu betonen, dass das kein Favoriten-spezifisches Phänomen ist. Die Gewaltbereitschaft unter jungen Menschen ist global gestiegen und hängt mit der Pandemie, den vielen herrschenden Krisen und der Unsicherheit über die eigene Zukunft zusammen. Daher sollten wir nicht nur die Symptome bekämpfen, sondern das Problem an der Wurzel packen und den Jugendlichen Alternativen aufzeigen. Hierfür müssen alle bereits genannten Institutionen näher zusammenrücken, gut miteinander kommunizieren und zusammenarbeiten.

Nikola wurde zu dem Thema von der Bezirkszeitung interviewt. Hier findest du den Artikel!